Schwerpunkt Schlucktstörungen

Im Laufe meiner beruflichen Tätigkeit habe ich mich immer schon besonders für neurologische Erkrankungen und den daraus resultierenden Störungen in den Bereichen des Sprechens, der Sprache und des Schluckens interessiert.

Aus der Praxis und meinen Erfahrungen mit Patienten in einem Akutkrankenhaus wurde mir sehr schnell der Bereich der Schluckstörungen wichtig. In kaum einem anderen Bereich der logopädischen Arbeit ist ein professionelles, gut ausgebildetes Vorgehen so wichtig, wie hier. Sehr schnell kann es durch das Vorliegen einer Schluckstörung zu folgeschweren Komplikationen kommen.

Aus diesem Grunde habe ich mich durch eine Weiterbildung über zwei Jahre, zur Fachtherapeutin für Dysphagie KDZ  ausbilden lassen. Um mich auf dem neuesten Stand der medizinischen und therapeutischen Erkenntnisse zu halten, besuche ich regelmäßig Fort- und Weiterbildungen und beschäftige mich mit entsprechender Fachliteratur.

Was sind Schluckstörungen (Dysphagien)?

Schluckstörungen (Dysphagien) äußern sich durch sehr unterschiedliche Symptome oder Beeinträchtigungen und sind deswegen nicht immer sofort als Störung zu erkennen. Die nachfolgenden Beeinträchtigungen geben Hinweise auf eine Schluckstörung:

  • Lähmungen im Lippen-, Zungen- und Wangenbereich (der Betroffene hat ein „schiefes“ Gesicht oder ein Mundwinkel hängt herab).
  • Häufig kommt es zu Verschlucken und Husten während oder direkt nach dem Essen oder sogar zu Erstickungsanfällen. Es läuft Speichel oder Nahrung aus dem Mundwinkel, der Speichel kann nicht mehr herunter geschluckt werden.
  • Manchmal spüren die Betroffenen die Nahrung auch nicht mehr gut im Mund und bemerken so z. B. verbleibende Reste im Mundraum nicht, die potentiell zu einem vermehrten Verschlucken und einer erhöhten Aspirationsgefahr (Einatmung von Speichel, Nahrung, Flüssigkeiten) führen. Eine Aspiration kann lebensbedrohlich werden.
  • Nahrungsmittel, die vorher ohne Problem geschluckt wurden, bereiten plötzlich Schwierigkeiten. Die Nahrung kann nicht mehr geschluckt werden, die Betroffenen haben das Gefühl, das Essen bliebe im Hals stecken, die Nahrungs- und Trinkmenge hat sich insgesamt vermindert.
  • Auch immer wieder auftretende unklare Fieberschübe können Hinweis für eine Dysphagie sein.
  • Weitere Symptome sind: Schmerzen beim Schlucken, Haltungsänderungen („Kopfvorschub“), plötzliche unklare Gewichtsabnahme, Vermeidung von öffentlichen „Essanlässen“.

Mögliche Ursachen:

Die Ursachen für eine Schluckstörung sind verschieden. Sehr häufig treten sie jedoch aufgrund einer neurologischen oder tumorbedingten Erkrankung oder eines Unfalls im Kopf-/Halsbereich auf. Zu den häufigsten neurologischen Ursachen zählen: der Schlaganfall, Morbus Parkinson, Schädel-Hirn-Traumata (MHT), Multi-System-Atrophien, Multiple Sklerose (MS), Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Weitere Ursachen für eine Schluckstörung können Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohr-Bereich, internistisch oder medikamentös bedingt sein. Auch Demenzen können eine Schluckstörung verursachen.

(Quelle: dbl Deutscher Berufsverband für Logopädie e.V.)

 

Im Rahmen eines Schlaganfalles kommt es bei ca. jedem 2. Patienten zu einer akuten Schluckstörung. Bei ca. 50 Prozent dieser Patienten kommt es im Verlauf zu einer deutlichen Verbesserung in den ersten Tagen und Wochen.

Auch aus diesem Grund ist eine zeitnahe klinische Untersuchung der Patienten auf der Schlaganfallstation / Stroke Unit unabdingbar. Als Logopäden / Sprachtherapeuten gehören wir daher zum interdisziplinären Team der Neurologischen Klinik des Sana Klinikums.

Aber auch nach der akuten Phase des Schlaganfalles sowie im Rahmen anderer Erkrankungen untersuchen und behandeln wir Schluckstörungen sowohl im Krankenhaus, in Hausbesuchen und in der Praxis.

Um eine verlässliche Qualität der Behandlung durch alle Mitarbeiterinnen der Praxis zu gewährleisten, finden regelmäßig interne und externe Fortbildungen und Fallbesprechungen statt.

 

Birgit Kühnemund